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Ursprung der Rasse
Der Ursprung des heutigen Bullterriers geht nach
England, Anfang bis Mitte des 19. Jahrhunderts zurück. Von den vielen Versuchen eine
spezielle, zweckgebundene, neue Hunderasse aus einer Terrier-Bulldog-Verbindung zu
züchten war, aus heutiger Sicht der Züchter und Hundehändler aus Birmingham, James Hinks, am erfolgreichsten. Er schuf aus dem damaligen Bull and Terrier den reinweißen
Bullterrier, der, so 1862 das erste mal auf einer Dog-Show ausgestellt wurde.
Die Einkreuzung verschiedener Terrierrassen, wobei der "Old English Terrier"
(Vorgänger des "Black and Tan Terrier") einen großen Anteil dazu beigetragen
haben soll. Auch wurde der Dalmatiner daran beteiligt und wie eingangs erwähnt die
Bulldogge.
Von der Bulldogge stammt die Substanz sowie die Knochenstärke, starke Kiefer, die
markante Rippenwölbung, eng- anliegendes, glattes Fell und die Farbe. Auch die
unerwünschten Eigenschaften treffen wir heute noch teilweise an, wie Pigmentfehler,
offene, runde Augen, Vorbiss, ungerade Läufe und nicht geschlossene Pfoten.
Viele qualitätvolle Eigenschaften stammen vom Terrier: Kleines, dunkles Auge, gute Ohren,
die obere und untere Linie, korrekt gewinkelte Hinterhand und das reinweiße Fell. Wenig
Substanz und schwache Knochen sind allerdings auch ein Terriererbe.
Durch die Einkreuzung des Dalmatiners wurde der anatomische Aufbau weiter verbessert. Er
brachte die noch fehlende Eleganz, sowie eine Verbesserung des Gangwerks. Sticks im Fell
und gelegentliche Hochläufigkeit sind die Nachteile.
Durch die Paarung derart ungleicher Hunderassen war die Variationsbreite
der Nachkommen sehr breit gefächert. Was aber alle Abweichungen verband
war das Wesen, ungestüm, zäh, schnell, mit beweglicher Intelligenz. Diese
Rassen in ihrer extrem unterschiedlichen Erscheinungsformen spiegeln sich bis heute im Bullterrier wieder.
Der von James Hinks erschaffene Bullterrier war, wie oben erwähnt, reinweiß. Erst mit
Beginn unseres Jahrhunderts setzten Bemühungen einen farbigen Bullterrier vom Aussehen
der weißen zu züchten, indem man sie mit den alten Exemplaren (Vorgänger des
Staffordshire - Bullterrier) kreuzte.
1919 gab es den ersten farbigen CC-Gewinner und gar 1931 den ersten farbigen Champion, so
dass es bis 1950 dauerte und die letzten Diskriminierungen gegenüber den farbigen
Bullterrier fielen.
Beim Miniatur Bullterrier handelt es sich um eine bestimmte Größenvarietät, innerhalb
der Bullterrier, die als eigene Rasse abgetrennt und definiert wurde. Nicht zu verwechseln
mit denen um die Jahrhundertwende beim englischen Kennel Club als Miniatur eingetragenen
Toy-Bullterrier. Während die kleinen Bullterrier recht gut den Bullterriertyp
repräsentierten, waren die Toys oft schlechte Vertreter ihrer Rasse mit Apfelköpfen,
Glotzaugen und spitzen Schnauzen.
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Verkannt, verleumdet und verachtet
Es gibt wenig Themen, die so emotional und dabei mit
so wenig Sachverstand diskutiert werden, wie das der so genannten "Kampfhunde".
Vergeblich werde Sie hier Ausschau halten nach Schauergeschichten von zerfleischten
Passanten und den dazugehörigen blutrünstigen Bildern (in denen die Retusche noch
kräftig mit dem Rotstift nachgeholfen hat). Sie werden auch keine Stories über Zuhälter
und "Kampfmaschinen" lesen - und auch nicht den Unsinn, dass besagte Hunde nicht
auslassen können oder ihre Welpen totbeißen. Dies ist der Versuch, ein wenig
Hintergrundwissen zu vermitteln, denn jede Diskussion ohne sachliche Grundlage verhärtet
nur die Fronten und kann kein
befriedigender Ausgangspunkt sein.
Was ist ein Kampfhund?
Meiner Meinung nach sollte man das Wort
"Kampfhund" zum Unwort der Neunzigerjahre erklären. Entworfen von
Sensationsproduzierenden Presseleuten, sagt dieser Begriff überhaupt nichts aus. Was
eigentlich ist ein so genannter "Kampfhund"? Vielleicht ein Hund jedweder Rasse,
der zum Kampf eingesetzt wird oder wurde? Wenn ja - gegen wen? Alexander der Große
führte großrahmige Hunde zur Bewachung seiner Lage mit sich heim nach Griechenland -
waren das "Kampf-" oder besser "Kriegshunde"? Manche meinen, es
handelt sich um Hunde, die gegen andere Hunde und Tiere kämpfen; dann wäre ein Dackel,
der gegen den Fuchs im Bau kämpft, auch ein "Kampfhund".
Wieder andere - darunter auch viele Politiker - meinen, es seien dies Hunderassen, die
gegen Menschen kämpfen. Dann allerdings wären die Gebrauchshunderassen - und damit allen
voran der Schäferhund - eher "Kampfhunde", denn sie werden tatsächlich von
Polizei und Militär als Schutzhunde eingesetzt. Doch jene Hunde, die heute
fälschlicherweise mit dem "Kampfhund-Begriff" assoziiert werden, wurden nie zum
Einsatz gegen Menschen gezüchtet - daraus resultiert auch noch heute deren herausragende
Menschenfreundlichkeit. Oder sind "Kampfhunde" etwa Hunde, die
Unfälle verursacht haben? Dann aber wären es wieder einzelne Hunde jedweder Rasse oder
auch Mischlinge, die sich als bissig erwiesen haben; hier jedoch wäre analog zur
nordrhein- westfälischen Gefahrenhundeverordnung der Begriff "gefährlicher
Hund" nahe liegender.
Unverständliche Vorurteile
Das schlimmste, womit Besitzer dieser Rassen -
abgesehen von Verbotsbestimmungen - konfrontiert werden, sind Vorurteile. Kaum jemand
hatte je Kontakt zu diesen Rassen, aber jeder glaubt zu wissen, dass diese Hunde kein
normales Hundeverhalten zeigen. Nehmen wir einmal Abstand von der landläufigen Meinung,
so werden wir feststellen, dass die "Kampfhunde" ganz anders sind, als sie im
allgemeinen dargestellt werden. In Gesprächen mit praktizierenden Tiermedizinern hört
man häufig, dass gerade diese Hunde bei der Behandlung besonders ruhig und gelassen sind,
ein Beweis für ihre Nervenfestigkeit. Eine wirkliche Gefahr geht von den so
genannten
"Angstbeißern" aus, also nicht-nervenstarken Hunden. Diese kommen bei den
besprochenen Rassen so gut wie nie vor, es sei denn, die Tiere wurden fehlgeprägt - ein
Vorgang, der jedoch bei allen Hunderassen gleichermaßen zu beobachten ist. Besagte
Nervenfestigkeit zeichnet aber die "Kampfhunde"-Rassen im wirklichen Leben aus
und macht den Umgang mit ihnen so angenehm, da es sich hier um Hunde handelt, auf die man
sich im Ernstfall verlassen kann, ohne dass sie Neigung zu Überreaktionen zeigen. Diese
Rassen
haben eine mittlere bis teils sehr hohe Reizschwelle, was bedeutet, dass schon sehr viel
passieren muss, bis der Hund reagiert. Von "unkontrollierten Beißern" kann also
überhaupt keine Rede sein. Dass diese Hunde keinen besonderen Kiefermechanismus haben,
der sie am "Auslassen" hindert, bedarf an dieser Stelle sicherlich keiner
weiteren Erörterung - und ebenfalls nicht das von einer Frauenzeitschrift in die Welt
gesetzte Gerücht, Pitbulls hätten 82 (!) Zähne (hier hat wohl der Alligator Pate
gestanden...). Natürlich kann ein kräftiger Hund im Zweifelsfall mehr Schaden anrichten
als ein kleiner Hund, aber auch andere größere Rassen (beispielsweise Doggen, Boxer oder
Schäferhunde) können genauso zubeißen. Unbestreitbar ist die Tatsache, dass große
Hunde zumeist ruhiger sind und deshalb insgesamt weniger Unfälle verursachen. Mir
jedenfalls ist es lieber von einem kräftigen Mastino nicht gebissen zu werden, als einen
schwächeren Dackel an der Wade hängen zu haben. Es kommt dabei nicht auf die Kraft an,
mit der ein Hund beißen könnte, sondern auf die Tatsache, ob er es tut oder nicht.
Natürlich gibt es Fehlgeprägte oder falsch, beziehungsweise überhaupt nicht erzogene
Hunde, die Aufsehen erregende Unfälle verursachen. Dies liegt aber in der Regel nicht an
der Rasse, sondern am Besitzer. Auf dem Hundeplatz kann man sich leicht davon
überzeugen, dass im Schutzdienst auch Bullterrier und Molosser auf Kommando auslassen -
sonst würden sie keine Prüfung bestehen, und vorher abzuleistende Unterordnungsübungen
sind obligatorisch. Tatsache ist im übrigen bei allen Rassen und Mischlingen,
dass
korrekt ausgebildete Hunde weniger Unfälle verursachen als nicht ausgebildete Hunde. Fast
schon erheiternd ist das Argument der Gegner dieser Hunde, die Tiere wären
"potthässlich". Abgesehen davon, dass dies kein Argument zum Verbot sein kann,
lässt sich über Geschmack natürlich streiten. Einem entnervten Mastinobesitzer, dem zum
Wiederholtenmahle vorgeworfen wurde, sein Hund sehe wie ein
"Totalschaden" aus, und der dann gefragt wurde, wie man sich nur ein derart
hässliches Tier zulegen könne, kann ich seine Antwort wirklich nicht mehr verdenken: Er
fragte den Reporter, warum er ausgerechnet diese Frau (sie stand neben ihm) geheiratet
habe. Nächstes Vorurteil: Besagte Rassen beißen ihre Welpen tot. Wenn dem so wäre,
wären ganze Hunderassen bereits ausgestorben. Niemand kann sich 24 Stunden am Tag neben
die Wurfkiste setzen oder der Hündin das Maul zubinden. Sollte derartiges Verhalten
einmal beobachtet worden sein, so ist dies nicht physiologisch. Der Einzelfall besagt
nichts über die Rasse, denn genetische Verhaltensdefekte kommen bei allen Rassen vor, und
mir ist nicht bekannt, dass das Phänomen bei diesen Rassen gehäuft auftritt. Häufig
erntet man verdutzte Gesichter wenn man den Leuten erklärt, dass diese Hunde sich gut mit
Kindern vertragen. Das stimmt tatsächlich, denn ein Bulli beispielsweise nimmt es nicht
übel, wenn ein Kind mal in den Fang fasst oder an der Rute zieht. Oder hätten sie
gewusst, dass der lustige kleine Hund in der alten Kinderserie "Die drei kleinen
Strolche" ein American Pit Bull Terrier war? Gleichwohl rate ich Eltern
grundsätzlich, Kinder und Tiere nicht unbeaufsichtigt alleine zu lassen, denn erstens
können auch Kinder Hunden etwas antun, und zweitens könnten Tiere jeder Art die Handlung
eines Kindes missverstehen.
Schädliche Popularität
Probleme ganz anderer Art ergeben sich
mittlerweile für viele Hunderassen - ich möchte das den "Lassie-" oder
"Kommissar-Rex-Effekt" nennen. Es hat noch keiner Hunderasse gut
getan, populär
zu werden. Erstens versuchen skrupellose Geschäftemacher, diese Hunde planlos zu
vermehren - wo ich hier den Begriff "Züchten" vermeide. Dabei werden
Zuchtauswahl, Impfungen und Tierbetreuung derart vernachlässigt, dass der unglückliche
Käufer damit rechnen muss, einen kranken und falsch geprägten Hund zu erwerben. Dies ist
eine Seite der Medallie - die andere wird seltener gesehen: Je populärer eine Rasse ist,
um so wahrscheinlicher ist es, dass sie in falsche Hände gerät; dem
potentiellen Käufer macht es wenig Mühe, an diese Hunde zu kommen. Jemand aber, der
bereits nach Literatur gesucht und diverse Telefonate mit Zuchtverbänden geführt hat, um
dann zu einem Züchter ans andere Ende des Landes zu fahren, wird über mehr Sachkenntnis
verfügen als jemand, der einen Hund schnell irgendwo an der Ecke gekauft hat. Ich werde
noch darauf eingehen, dass Mischlinge und Schäferhunde in der Unfallstatistik ganz oben
stehen. Dies ist nicht generell auf eine genetisch verankerte Gefährlichkeit dieser Hunde
zurückzuführen, auch nicht auf deren hohe Zahl, sondern auf den Umstand, dass jedem
Ignoranten der nur einmal eben zur Bewachung einen
"scharfen Hund" wünscht, Rassen wie Dobermann oder Schäferhund zuerst
einfallen. Es ist zwar festzustellen, dass auch die Rassen, um welche es hier geht, derzeit
vermehrt gehalten werden, jedoch ist die Gesamtzahl nach wie vor verschwindend gering.
Schuld an der Tatsache, dass momentan eine verstärkte Nachfrage besteht, sind eindeutig
negative Presseberichte. Aus diesem Grund interessiert sich nämlich auch bisweilen genau
die Klientel für besagte Rassen, die wir nicht in unseren Reihen haben wollen. Es geht
völlig an unserem Interesse vorbei, wenn irgendwelche Personen sich derartige Hunde
zulegen, nur um ihr angeschlagenes Ego aufzuwerten oder weil sie ihren Hund als
Waffe ansehen. Diese Entwicklung hat aber nichts mit dem Hund selbst zu tun, und
scharfmachen kann man jeden Hund - völlig unabhängig von der Rasse. Hoffentlich merken
diese Leute recht schnell, dass diese Hunde, die nie zum Angriff auf Menschen gezüchtet
wurden, gar nicht halten (können), was man von ihnen erwartet.
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